KreativLabs

KreativLabs

Das vom Landesnetzwerk Kreative MV entwickelte und erprobte Workshop-Format der KreativLabs verbindet Impulsvorträge von externen Expert:innen über Erfolgsfaktoren partizipativer Leerstandstransformationen mit moderierten Ortserkundungen, kollegialer Beratung und Vernetzung von Kreativschaffenden, Kommunen, Wirtschaftsförderern und interessierten Gästen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

In einer KreativLab-Reihe im Rahmen des Förderprogramms „Miteinander Reden“ der Bundeszentrale für politische Bildung wurden die Potenziale des Raumwohlstands in Nieklitz, Bad Kleinen und Lübz erkundet, die lokalen Akteure und Netzwerke stellten ihre Projekte und Unternehmen vor. In partizipativen Workshops wurde gemeinsam sondiert, wie neu zugezogene Kreative, Kommunen und angestammte Bürger:innen vor Ort intensiver zusammenarbeiten können und wie das Wissen der Ortskundigen und neue Ideen der Zugezogenen sich gegenseitig befruchten können.

Das Projekt wurde vom Silberfuchs-Verlag – Labor für gesellschaftliche Wertschöpfung mit Sitz in Tüschow, Landkreis Ludwigslust-Parchim im Auftrag des Landesverbandes Kreative MV durchgeführt. Die Website wurde von alles-mv Media UG gestaltet.

Politische Bildung: Wert der Freiräume und Standortqualitäten der Region vermitteln

Erkenntnis- und Bildungseffekte der Methodik im Projekt betreffen vor allem die Stärkung des Selbstbewusstseins „abgehängter“, so genannter „strukturschwacher“ Regionen. Seit der Wende sind diese Regionen vom demografischen Wandel stark betroffen. Mecklenburg-Vorpommern entwickelte sich durch Abwanderung und mangelnde regionale Förderung von der „jüngsten“ Region Deutschlands zur „ältesten“ Region. Durch die Abwanderung fehlten aktive Innovationstreiber:innen. Es gab zu wenig Hilfen, um den fundamentalen Strukturwandel von einer überwiegend landwirtschaftlich orientierten Region hin zu zukunftsfähigen Wirtschaftsmodellen aktiv zu gestalten.

Die regionale und lokale Entwicklung fand dadurch vor allem durch (nicht öffentlich geförderte) Bottom-up-Prozesse statt, wobei lokale Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft entscheidende Innovationstreiber sind. Kreativschaffende „Visionäre“ erkennen wertvolle regionale Raumpotenziale frühzeitig und entwickeln sie oft durch (ehrenamtliches) Engagement und durch Einsatz von eigenem finanziellen, kulturellen und sozialem Kapital. Gleichzeitig tragen diese gemeinschaftsstiftenden, kulturbasierten Netzwerke dazu bei, negative Folgen des „Abgehängt-Fühlens“ abzumildern.

Das Projekt trägt dazu bei, die Wertschätzung dieser kreativen Innovator:innen durch die Kommunen und Wirtschaftsförderer zu erhöhen. Das Bewusstsein wird gestärkt, dass „Leerstand“ nicht nur Mangel, sondern ein wertvolles Raumpotenzial und eine Chance für die Entwicklung der Region ist. Angesichts der Raumnot in den Metropolen ist dieses Raumpotenzial gerade für Innovator:innen hoch attraktiv, weil Experimentierräume für zukunftsfähiges Wirtschaften sich niemals in hochpreisigem Umfeld bilden. Die Innovatoren benötigen für die Experimentierphase neuer Geschäftsmodelle bezahlbare Räume, die sie eigenständig gestalten und entwickeln können.

„Strukturschwäche“ wird also zum Standortvorteil, wenn die Ideen der Innovator:innen Raum, Zeit und Wertschätzung bekommen. Angesichts der Krisen der „traditionellen“ Wirtschaft in verdichteten Regionen können dünn besiedelte Räume als Zukunfts- und Experimentierorte für nachhaltige, naturverträgliche, ressourcenschonende und klimaneutrale Geschäftsmodelle fungieren. Gerade in der Coronapandemie zeigt sich die Trendumkehr zur Rückkehr der Menschen in ländliche Räume sehr deutlich. Das Bewusstsein für den Wert dieser Räume muss bei politischen Entscheidungsträger:innen, Kommunen und Wirtschaftsförderer weiter gestärkt werden.

Ergebnisse: Wirtschaftsförderung 4.0

Die Ergebnisse der KreativLabs an den drei Orten Nieklitz, Bad Kleinen und Lübz wurden in Form von Handlungsempfehlungen für Strategien zur Ansiedlung von Innovator:innen an Orten unterschiedlicher Größe im ländlichen Raum aufbereitet. Die Empfehlungen flossen in ein Strategiekonzept ein, das Kreative MV gemeinsam mit den Wirtschaftsfördergesellschaften Nordwestmecklenburg und Südwestmecklenburg, dem Landkreis Nordwestmecklenburg und der Landeshauptstadt Schwerin im Projekt „Wirtschaftsförderung 4.0 – Standortoffensive Kultur- und Kreativwirtschaft Westmecklenburg“ erarbeitet hat.

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